Die Karlshöhe feiert fünfhundert Jahre Reformation

Das Lutherjahr 2017


Zur Freiheit gerufen!

Ein Kommentar von Dr. Dörte Bester

Die Freiheit ist „das Allerwichtigste im Zusammenleben“, so hat es Joachim Gauck einmal geschrieben. Hinter dieser Überzeugung stecken seine Lebenserfahrungen und seine protestantische Prägung. „Freiheit“ war und ist einer der Zentralbegriffe der Reformation – bei vielen kirchlichen Veranstaltungen wird „Freiheit“ in diesem Jahr Thema sein. „Zur Freiheit gerufen“ lautet auch das diesjährige Motto der Karlshöhe.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schreibt der Apostel Paulus im Galaterbrief (Kapitel 5,1). Durch Christus sind wir davon befreit, unser Leben rechtfertigen zu müssen – vor Gott und den Menschen. Wir müssen uns den Sinn unseres Lebens nicht selbst schaffen, er ist uns geschenkt: Das „Ja“ Gottes zu meinem Leben ist mir in der Taufe zugesprochen, aus diesem „Ja“ wächst Freiheit. Freiheit, sich abgrenzen zu können von fremden Ansprüchen und eigenen Erwartungen. Freiheit davon, sich etwas „beweisen“, es Gott und den Menschen recht machen zu müssen. Freiheit auch von Ängsten und Angst, sogar der Angst vor dem Tod. „Freiheit bedeutet keine Angst haben“ so hat es eine Bewohnerin der Karlshöhe mit geistiger Behinderung formuliert. In einer Gruppe haben sie sich mit Martin Luther beschäftigt. Denn Freiheit ist ein Thema, das alle angeht. Dass Menschen nicht unfrei sind – und vor allem nicht unfrei werden, nur weil sie auf Hilfe von anderen angewiesen sind, das ist uns auf der Karlshöhe wichtig. Christlich verstandene Freiheit verdankt sich nicht sich selbst. Sie ist Freiheit, die um menschliche Angewiesenheit weiß. Freiheit, die in die Beziehung und die Gemeinschaft mit anderen stellt. „Freiheit ist“, so eine andere Bewohnerin der Karlshöhe, „wenn alle gut zusammenleben können.“ Da ist sie sich mit dem scheidenden Bundespräsidenten Gauck einig!

Pfarrerin Dr. Dörte Bester
Theologischer Vorstand, Vorstandssprecherin und Direktorin


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Wenn das der Luther wüsste!

Ein Kommentar von Diakon Jörg Conzelmann

Sie kennen das auch: Man isst von etwas zu oft zu viel – man kann es nicht mehr riechen. Man hört ein Lied im Radio wieder und wieder – es geht einem auf die Nerven. In Unterhaltungen thematisiert das Gegenüber immer und immer das gleiche – man kann es nicht mehr ernst nehmen.

Als Öffentlichkeitsarbeiter habe ich gelernt, eine Marke aktiv zu platzieren und sie ins Bewusstsein zu tragen, aber auch, den Grat des Überstrapazierens nicht zu überschreiten. Und damit bin ich bei Luther. Der arme Martin würde sich bestimmt im Grabe drehen, würde er hören, was aus und mit ihm gemacht wird. Die folgende Liste habe ich nicht gegoogelt, sondern es sind Begrifflichkeiten und Nennungen, die mir in Zeitungen, im Rundfunk, Fernsehen oder anderweitig in den letzten fünf Wochen begegneten:

Luthers Schöpfung; Luthersound; Martin-Luther-Medaille; Luther-Kaffee, Luther-Tomaten [noch frisch?]; Luthergarten; Lutherjahr; Luther – das Spiel; Auf Luthers Spuren; Luthers Rose; Luther für Eilige; A tribute to Martin Luther [Anm.: bitte auf die korrekte Aussprache des „th“ achten]; Der Herr Jesus, Dr. Martin und ich; Luther als Mystiker; Luther aufs Maul geschaut; Luther-Sätze – Teil 1 [weitere Teile erspare ich Ihnen]; Martin Luther und die Juden; Luther als Lichtgestalt; Von Luther und Leberwurstbroten; Luthers Sermon; Lutherdenkmal; Luther-Taler; Luther-Lutscher; Lutherfilm; Werkstatt mit Martin Luther; Pop-Oratorium Luther; Martin Luther und der Islam; Luther – his life and his work; Mit Luther aus dem Hamsterrad; „Die Marke Luther“; Selfies mit Martin Luther [stelle ich mir gruselig vor]; Lutherkirche; Luther auf lebensgefährlicher Mission; Badeente Luther [viel Luft]; Luther-Schokoladenfigur; Martin-Luther-Bierdeckel; Luther-Ring; Luther-Pfeffernüsse; Martin-Luther-Handpuppe; Luther-Reformationspils; Luther-Brot; Playmobilfigur Luther; Weinprobe mit Martin und Käthe Luther; Luther kommt ins Ländle [wir haben doch schon Kretschmann]; Mach’s nochmal Martin – ein Reformator kehrt zurück; Luther modern; Luther reloaded.

Ich wär so frei und bereit, der evangelischen Kirche einen Ablass-Betrag zu bezahlen, wenn man mich von der weiteren Luther-Kommerzialisierung und dem (sonst so gern kritisierten) gegenständlichen und inhaltlichen Powermerchandising verschonte. In den Luthersaal im Brüderhaus aber gehe ich immer noch gern, der hieß nämlich schon immer so! Und die Räume daneben waren übrigens früher nicht J. H. Wichern und J. S. Bach sondern Calvin und Zwingli gewidmet! Die Luther-Bibel übrigens fehlt in der Aufzählung: Die ist wirklich unverzichtbar. So wie das, was Luther wirklich bewegte, ganz ohne Badeente.

Jörg Conzelmann
Pressesprecher und Leiter Servicebereich Kommunikation


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500 Jahre Reformation: Die Diakonie feiert mit

Martin Luther wollte bislang ausgegrenzte Menschen in das gottesdienstliche und gemeinschaftliche Leben mit hineinnehmen: zum Beispiel durch seine Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache und die Ermöglichung von Schulbildung für Jungen und Mädchen. Aus seiner Erkenntnis, dass alle Menschen vor Gott denselben Wert haben und Teil derselben Gemeinschaft sind, soll die Nächstenliebe leben.

Das Reformationsjubiläum 2017 bietet die Chance, dasss ich diakonische Einrichtungen und Dienste zusammen mit den Kirchengemeinden dies neu bewusst machen. In der Freiheit der Kinder Gottes, die der Glaube schenkt, sollen alle Menschen Teil einer Gemeinschaft sein. Dennoch zählen Status, Vermögen und Herkunft heute noch so stark, dass Menschen davon abhängig und womöglich gesellschaftlich isoliert sind.

>> Seite der Diakonie Württemberg zum Reformationsjubiläum

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Die EKD über das Reformationsjubiläum

1508 kommt der Mönch Martin Luther nach Wittenberg. 1517 veröffentlicht er seine berühmten 95 Thesen. Die Reformation beginnt.

In der Lutherdekade 2008-2017 wird das weite Themenspektrum der Reformation in Themenjahren aufgenommen und entfaltet. So wird zum einen an die historischen Gedenkjahre (450. Todestag Melanchthons 2010 oder der 500. Geburtstag Lucas Cranachs d.J. 2015) angeknüpft. Zum anderen nimmt die Lutherdekade Impulse der Reformation auf, die bis in unsere heutige Zeit reichen.

>> Themenseite der EKD zum Reformationsjubiläum

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Die Lutherstadt Wittenberg feiert das große Reformationsjubiläum

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben und veränderte damit nicht nur die kirchliche Welt, sondern setzte eine Reformation in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur in Gang.

Im Jubiläumsjahr 2017 feiert die Lutherstadt Wittenberg diese 500 Jahre der Reformation mit kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen, Tagungen und großen Ausstellungen. Im Mittelpunkt des Reformationsjubiläums 2017 steht Luthers Erkenntnis der „Rechtfertigung aus Gnade“.

>> Seite der Lutherstadt Wittenberg zum Reformationsjubiläum

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Luther 2017 – 500 Jahre Reformation

Die Lutherdekade führt in unterschiedlichen Themenjahren bis 2016 zum Reformationsjubiläum 2017 hin. Sie bündelt und schürt so die öffentliche Aufmerksamkeit für den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers und strukturiert gleichzeitig die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten 2017.

Bereits vor dem offiziellen Start der Lutherdekade 2008 gab es Überlegungen und Planungen dazu, dieses Ereignis von großer historischer Bedeutung zu begehen. Diese Initiative ist mit der Lutherdekade mittlerweile institutionalisiert.

>> Offizielle Seite zum Reformationsjubiläum

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