Fachtag im Ausbildungszentrum

Im Spannungsfeld Arbeit – psychische Erkrankungen

Frau Dr. Irmgard Plößl, Leiterin Beruflicher Teilhabe, Rehabilitationszentrum Rudolf-Sophien-Stift Stuttgart, referierte auf Einladung des Ausbildungszentrums am 8. März im Ostsaal über den Zusammenhang zwischen Arbeit und psychischen Erkrankungen.

Eingeladen waren RehaberaterInnen der Arbeitsagenturen, VertreterInnen der Unfallkasse Baden-Württemberg, SchulsozialarbeiterInnen aus dem Landkreis , MitarbeiterInnen des Psychosozialen Netzwerke, IBB Ludwigsburg , Studentinnen der  Hochschule der Bundesagentur für Arbeit  sowie MitarbeiterInnen des Ausbildungszentrums Karlshöhe.

Das  Zitat von Douglas Bennett „Es gibt nichts Integrativeres als Arbeit – Nur Arbeit schafft es, dass Zugehörigkeit zur Gesellschaft – als Teilhabe im engeren Sinn – realisiert wird“ , platzierte Frau Dr. Plößl zu Beginn ihres Vortrags und betonte dabei, wie wichtig Arbeit für Menschen im Sinne der Resonanzerfahrung, soziale Teilhabe, Wertschätzung, Anerkennung, Identitäts- und Sinnstiftung sei.

Psychische Erkrankungen verursachen im Vergleich die längsten Ausfallzeiten und bergen das größte Risiko vorzeitiger Berentung. Krankheit und Gesund sein,  Grenzen und deren fließenden Übergänge, aber auch jeweilige Veranlagungen und Vulnerabilitäten von psychisch erkrankten Menschen wurden erörtert ebenso wie positive und schmerzliche Erfahrungen, die bei jedem Menschen in einem Netzwerk von Nervenzellen abgespeichert werden und dessen Verhaltensweisen und Verwundbarkeit beeinflussen.

Grundsätzlich sollte der Stressumfang von Mitarbeitenden in einem auf Dauer gerichteten „optimalen“ Anforderungsniveau liegen. Ist  eine kritische Grenze erreicht, geraten Menschen aus dem Gleichgewicht, reagieren u.a. mit Gereiztheit, Nervosität. Wut und Aggression, leiden unter Denkblockaden oder unter der Unfähigkeit abzuschalten. In der Regel werden dann zwar Frühwarnsysteme aktiv. Sie werden allerdings häufig nicht als solche erkannt, akzeptiert oder in der Konsequenz nicht ernst genommen.

Stress fördert zwar allgemein das  Lernen, schärft Aufmerksamkeit, stellt Energie zur Verfügung, fördert maximale Leistungsfähigkeit, produziert Nervenzellwachstum. Doch kommt es immer auf die Dosis der Anforderungen sowie auf die jeweilige Veranlagung des Mitarbeitenden an.

Gesünder ist es, wenn an Mitarbeitende konkrete, klar definiert und umrissene, beherrschbare Aufgaben und Anforderungen gestellt werden. Eine Vielzahl von breit gestreuten Aufgaben, die nur eine flache Aufmerksamkeit erfordern, sind dagegen tendenziell ungesund. Arbeitsplätze müssten deshalb oftmals passend gemacht, ja zugeschnitzt werden (Job Carving). Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Menschen dort am häufigsten erkranken, wo sie keine Anerkennung, Verlässlichkeit, ein angstfreies Arbeitsklima und soziale Unterstützung erhalten.

Fazit: Um gesund am Arbeitsplatz zu bleiben, braucht es immer eine gute Balance zwischen Engagement und Distanzierungsfähigkeit, und generell immer um eine klare Passung von Arbeitsaufgaben, Umgebung und Mensch.

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