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Exkursion nach Oslo

Jugendhilfe und Hochschule erkunden die skandinavische Bildungs- und Familienpolitik

Der Studiengang „Frühkindliche Bildung und Erziehung“ der Evangelischen und Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sowie die Kinder- und Jugendhilfe Karlshöhe untersuchten bei einer Exkursion nach Oslo die skandinavische Bildungs- und Familienpolitik.

Die Lernerwartungen waren hoch, weil in vielen Studien die skandinavischen Länder deutlich über den OECD-Werten liegen. 

66 Studierende, fünf Lehrkräfte und ein Koordinator der Jugendhilfe Karlshöhe gingen der Frage nach, was das Bildungssystem in Norwegen vom deutschen Bildungssystem so positiv unterscheidet. Hospitationen in Kindertagesstätten, und Vorträge am Oslo University College und der Diakonhjemmet University College gaben Aufschluss.  

In Norwegen hat Gleichstellung von Mann und Frau sowie demokratisches Leben eine lange Tradition. So müssen Frauen laut Gesetz zu 40 % in hohen Managerpositionen vertreten sein. Dennoch liegt die Geburtenrate bei knapp zwei Kindern und ist somit höher als in Deutschland. Das könnte am gut ausgebauten Betreuungsnetz liegen: In Norwegen werden 66% der 1-Jährigen und 84% der 2-Jährigen betreut. Zurzeit herrscht in Norwegen eine Deckung an Kitaplätzen von 94%. Auch der männliche Anteil an Pädagogen in den Kitas ist wesentlich höher. Regierungskampagnen haben den Beruf für Männer salonfähig gemacht. Überhaupt herrscht in Norwegen ein sehr kinder- und familienfreundliches Klima. 

Auch qualitativ gibt es deutliche Unterschiede zu Deutschland. So ist der Beruf der Erzieherin in Norwegen schon seit 1975 akademisiert (in Deutschland Ansätze erst seit kurzem), wodurch das Prestige ebenso gefördert wird sowie bessere Bezahlung der „Preschool Teachers“. Staatliche Unterstützungsgelder fließen eher in Bildungseinrichtungen als in die Familien. Dadurch steht einer Familie zwar weniger Kindergeld zur Verfügung, jedoch kann in den Kitas ein Personalschlüssel von 1:4 für unter 3-Jährige, sowie ein Schlüssel von 1:6 für die Älteren gewährleistet werden.  

Fazit:

Deutschland steht Norwegen in Sachen Bildungsanspruch inhaltlich nicht viel nach. Die politischen Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Sicht auf den Stellungswert des Kindes und seiner Familie sind jedoch völlig anders. Die Ausbildung ist etabliert, der Stellenwert der Mitarbeitenden ist höher und die Personalschlüssel sind deutlich besser. Darüber hinaus werden die staatlichen Unterstützungsgelder ergebnisorientierter eingesetzt und das Betreuungsnetz ist bedarfsgerechter. Gender Mainstreaming wird erfolgreich umgesetzt.

Die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland müsste die aktuellen Projektansätze im Bereich Frühe Hilfen, Familienhebammen und Erziehungskompetenztraining für Eltern genauso offensiv weiter entwickeln. Zudem sollten Regelangebote, wie die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Betreuungsplätze in Kindergärten und Ki-Tas, baldmöglichst gewährt werden.

Die Jugendhilfe Karlshöhe hat in den letzten 10 Jahren verstärkt Angebote im Bereich Prävention vor allem für Jugendliche und ihre Familien entwickelt. (z.B. Rechtsberatung, Jugendarbeit, Jugendberatung für den Übergang Schule – Beruf). Die Exkursion nach Oslo regt an, auch Angebote für Familien mit Kindern und Kleinkindern zu entwickeln. Erste Ansätze werden erprobt durch die Beteiligung am Landesprojekt „Stärke“ zur Umsetzung von Bildungsgutscheinen für Eltern bei der Geburt eines Kindes und bei Angeboten für Familien mit Neugeborenen in besonderen Lebenssituationen. Norwegen zeigt: „Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an!“ 

Stuttgarter Unternehmen haben dies erkannt und die Exkursion durch Spenden unterstützt. Auch die Pädagogische Hochschule und die Evangelische Hochschule Ludwigsburg sowie Fundraising der Studierenden trugen zur Finanzierung bei. (Brouwer/Parchmann/Fischer)

Von: Matthias Schmitt
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