Haus Doppelpunkt eingeweiht

Allgemein, Haus auf der Wart | 20.07.2017

Perspektive bei seelischen Behinderungen

Eine zeitgemäße Konzeption, ein modernes Haus und motivierte Mitarbeitende mit Fachwissen und Einfühlungsvermögen: Das neue Haus Doppelpunkt der Stiftung Karlshöhe Ludwigsburg kann loslegen. Jetzt finden Menschen mit psychischen Erkrankungen und selbstgefährdendem Verhalten in der Stadt, im Landkreis und der Region erstmals eine Möglichkeit für eine stationäre Behandlung – und damit Heilung.

Die Einweihung des Neubaus am Südrand der Stiftung am Mittwoch, 19. Juli 2017 bietet neue Perspektiven in vielerlei Hinsicht: Seit 10 Jahren schon gibt es in der diakonischen Einrichtung 12 Plätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen – die dürfen in Kürze in das schöne neue Haus umziehen, das der Landesheimbauverordnung entspricht. Neu sind 18 Plätze für Frauen und Männer, die durch selbstgefährdendes Verhalten besonders verletzlich sind und deshalb im geschützten Bereich des Hauses wohnen. Der Einzug ist vermutlich im September und Oktober. Dieser Personenkreis und die Mischung bedeutet für die Bewohner und vor allem für die Mitarbeitenden eine besondere Herausforderung, sie müssen sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Die Konzeption – und damit der Alltag – ist so gestaltet, dass die Betroffenen ihr Leben nach und nach wieder selbständig gestalten können oder, wie die Direktorin der Karlshöhe, Dr. Dörte Bester sagte, „Boden unter die Füße“ kriegen. So gibt es klar strukturierte Tagespläne, die die Möglichkeit zur Arbeit in den Therapeutischen Werkstätten, die Bewältigung des Alltags durch selbständiges Kochen und Waschen, das Erledigen von Einkäufen und Behördengängen usw. vorsehen. Doch das Haus bietet auch Perspektiven im Wortsinn. Das am Südrand der Karlshöhe gelegene Haus erlaubt den Blick über Kornwestheim und Stuttgart bis zu den Fildern und an klaren Tagen bis auf die Alb.

Viele Details im Haus gehen auf die besonderen Anforderungen bei selbstgefährdendem Verhalten ein, manche Türen können nicht abgeschlossen werden, die Spiegel der Badezimmer sind in der Wand versenkt, die bis zum Boden reichenden Fenster lassen zwar viel Licht durch, eine vorgelagerte große Scheibe verhindert jedoch, dass Bewohner ihren Bereich unkontrolliert verlassen. Dennoch vermag es die Architektur, einen offenen, freien Eindruck zu vermitteln, die Wege im Haus sind beispielsweise als Rundgänge (inklusive des Gartens) angelegt und enden nicht an einer Tür oder Wand. Architekt Klaus Buck von der Atrium Projektmanagement GmbH war deshalb auch zurecht stolz, dass der Projektplan exakt eingehalten werden konnte. Dies, obwohl der Kostenrahmen von den öffentlichen Geldgebern immer wieder neu angepasst (sprich: verkleinert) wurde, was die Planungen immer wieder auf den Kopf stellte. Oder wie es die diakonische Vorständin der Karlshöhe, Diakonin Anne Hauser, ausdrückte: „Aus Ausrufezeichen wurden immer wieder Fragezeichen, bevor es den ‚Doppelpunkt‘ gab.“

Die Grußwortredner waren ebenfalls voll des Lobes: „Die Karlshöhe passt sehr gut zu unserem Slogan ‚Ludwigsburg inspiriert‘: Sie ist mutig und handelt, engagiert und verlässlich, sie leisten einen ungemein wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt.“ (Erster Bürgermeister Konrad Seigfried). „Es ist uns nicht leicht gefallen, einer Einrichtung zuzustimmen, die nicht nur stationär ist, sondern teilweise sogar geschlossen. Aber der lange Planungsprozesses hat gezeigt, dass es eine gute Entscheidung war.“ (Rolf Hahnenkraft, Landkreis Ludwigsburg). „Gerade in Zeiten, in denen die Inklusion hochgehalten wird und die Integration ins Wohngebiet, dürfen wir die Schwächsten nicht vergessen, die den höchsten Unterstützungsbedarf haben.“ (Christine Blankenfeld, KVJS).

Die Besonderheit des Angebotes hob auch Prof. Dr. Hermann Ebel vom Klinikum Ludwigsburg in seinem Fachvortrag hervor. Er beglückwünschte die Karlshöhe dazu, die Herausforderungen eines solchen Angebotes angenommen zu haben: „In dieser Form gibt es das in der Stadt, im Landkreis und der Region bisher nicht.“ Er legte dar, wie passgenau das Angebot auf die Bedürfnisse dieser Menschen zugeschnitten ist.

Am Schluss erbat Pfarrerin Dörte Bester den Segen für das Haus und lud im Anschluss zu Rundgängen durch die neuen Räumlichkeiten ein.

Bauvolumen: 4,7 Millionen €
Nettogrundfläche: 1.600 m2
Spatenstich: März 2016
Richtfest: Oktober 2016
Bewohnerzahl: 30 insgesamt

Generalunternehmer: Gottlieb Rommel GmbH & Co. KG, Stuttgart
Architektur: ARP, Stuttgart

Von: Jörg Conzelmann

Foto: Karlshöhe, Jörg Conzelmann

Foto: Karlshöhe, Jörg Conzelmann

Foto: Karlshöhe, Jörg Conzelmann

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