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Jannik und Christian

Care Leavers - Die Geschichte von Jannik und Christian

Care Leavers

Ich bin Christian*

Ich heiße Christian. Ich betreue Jannik als Pate, da ich seinen Lebensweg sehr gut verstehen kann, und zwar aus eigener schmerzlicher Erfahrung. Auch ich habe seinerzeit die Kinder- und Jugendhilfe der Karlshöhe als Volljähriger verlassen und musste plötzlich auf eigenen Beinen stehen. Ein familiäres Netzwerk war nicht vorhanden und ich hätte mich über einen Paten sehr gefreut, der mir in praktischen Dingen unter die Arme greift!

Ich lebte vom 14. bis zum 19. Lebensjahr auf der Karlshöhe in einer stationären Wohngruppe. Die Gründe dafür waren vielschichtig. Meine Eltern arbeiteten beide sehr viel und konnten sich nicht so um mich kümmern, wie ich es ohne Zweifel gebraucht hätte. Ich testete aus wie weit ich gehen konnte, begann die Schule zu schwänzen, lungerte auf der Straße herum und machte allerlei Unfug. Natürlich gab es permanent Ärger Zuhause. Aber wirkliche Konsequenzen folgten daraus nie. Bis ich den Bogen schließlich überspannte und das Jugendamt bei uns vorbeikam. Meine Eltern fühlten sich mit mir überfordert und ich kam auf die Karlshöhe.

... ich habe es geschafft!

... ich habe es geschafft!

Anfänglich war die Zeit in der Wohngruppe ganz schön hart. Ich war permanent in Opposition und machte es meinen Betreuern  schwer. Doch sie gaben mich nie auf, setzten mir klare Grenzen, bestärkten mich aber auch immer wieder. Nach und nach gab ich die Rebellion auf. Ich habe die Kurve gekriegt, wie man so schön sagt. Umso mehr schmerzte es mich, dass meine Eltern trotzdem keinen Kontakt mehr zu mir suchten. Zum Glück hatte ich meine Freunde in der Wohngruppe und Betreuer, die mir zeigten wie ich damit umgehen konnte.

Und dann kam der nächste schwere Schritt. Nach dem Abschluss der Mittleren Reife und der Ausbildung zum Mechatroniker musste ich die Wohngruppe verlassen. Natürlich wurde man auf diesen Schritt vorbereitet, aber ihn dann mehr oder weniger alleine zu gehen, war, wie eingangs ausgedrückt, eine enorme Herausforderung.  

Heute kann ich sagen: Ich habe es geschafft! Nachdem ich das Fachabitur nachholte und mein Studium abschloss, arbeite ich heute als Elektroingenieur. Und auch privat fand ich mein Glück. Doch ich weiß noch zu genau, wie oft ich in diesen Jahren am Scheideweg stand.

Jemand an der Seite zu haben, den man Fragen kann und der einem Zuspruch gibt, kann über diese erste Zeit und kritische Phase hinweg helfen.

Ich möchte Jannik dabei helfen!

Ich bin Jannik*

Hi, ich bin Jannik. Im Alter von 15 Jahren kam ich in die Wohngruppe auf die Karlshöhe. Das war natürlich anfangs ganz schön heftig. Da fühlt man sich schön mies. Irgendwie abgeschoben. Schuldig. Verraten. Wie will man das seinen Freunden in der Schule erklären?  Ich meine, ich bin doch kein Waisenkind - ich habe Vater und Mutter.  Aber Zuhause ging es eben auch nicht mehr. Ständig hatte ich Streit mit meinem Vater. Und warum? Wegen meiner Stiefmutter und Lukas ihrem Sohn, meinem neuen Bruder. Ich konnte mit den beiden einfach nicht. Es kam mir wie eine neue Familie vor, in der ich nicht mehr dazu gehörte. Ich fühlte mich überflüssig.  Mein Vater hatte sich immer gegen mich gestellt. Irgendwann war es ihm dann zu viel und er wendete sich an das Jugendamt.

...und wie geht es weiter?

...und wie geht es weiter?

Also: Wohngruppe Jugendhilfe Karlshöhe . Welcher Vater schickt denn sein eigenes Kind weg? Ihm war der Stiefsohn lieber, wie sein eigner Sohn. Zu meiner Mutter konnte ich auch nicht, die hatte sich einfach aus dem Staub gemacht. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört.  Meine Welt war ein einziger Trümmerhaufen.

Heute bin ich 18 Jahre alt und kann nach schwierigem Start sagen, dass die Wohngruppe meine Familie geworden ist. In mir hatte sich so unglaublich viel Wut und Zorn angestaut. Für meine Betreuer war das alles andere als ein Zuckerschlecken. Unfassbar, mit wieviel Geduld sie an mir und den anderen dran geblieben sind. Die anderen Jungs hatten natürlich ähnliche Geschichten zu erzählen und so konnten wir uns gegenseitig immer wieder aufbauen.  Es tut gut zu wissen und gibt Kraft, wenn man nicht alleine ist. Mein Vater versuchte es erst gar nicht mehr mich zurück zu holen. Seit ich weg bin gäbe es keinen Stress mehr, sagte er. Ich sei der Störenfried!  Das tut entsetzlich weh, jeden Tag. Doch heute kann ich dank meiner Betreuer mit dem Schmerz besser umgehen. In der Wohngruppe habe ich ein neues Zuhause gefunden. Ein Zuhause das ich jetzt wieder verlassen muss.

Auf eigenen Füßen stehen? Irgendwie cool – endlich machen dürfen was man will. Auf der anderen Seite habe ich aber auch Angst davor. Ja klar, wir haben so Selbstständigkeitstraining gemacht, aber trotzdem ist das ein ganz schönes  Brett, was da auf mich zukommt.

Zum Glück kann ich Christian fragen, wenn ich nicht weiter weiß. Er war früher in der gleichen Situation. Ihm kann ich mich anvertrauen!


*Die Namen wurden geändert.